Google Chrome – der Browser von Google

Diese Woche hat Google die Welt ein wenig überrascht und einen eigenen Browser veröffentlicht, wobei – ganz „Web 2.0“-like – von einer Beta die Rede ist. Nachdem ich zunächst einen technologisch recht interessanten Comic gelesen hatte, wurde ich neugierig, insbesondere was die so gelobte Geschwindigkeit angeht. Nunja .. eine Linux- oder Mac-Variante existiert im Moment noch nicht, also musste ich erst einen Windows-Rechner suchen um es zu testen, aber hey, dass kann man schonmal machen .. also installiert und dann der große Moment .. TADA!!

Eins gleich vorneweg: der Browser ist wirklich ziemlich zügig. Mit dem Wissen um die zugrunde liegende Technik kann man sagen, dass die Jungs (ggf. auch Mädels) da wirklich gute Arbeit geleistet haben. Das Rendering ist zudem auch auf allen von mir getesteten Seiten in Ordnung, wobei das sollte man schon erwarten, denn zum einen wird mit WebKit eine solide HTML-Engine verwendet (u.a. Safari, iPhone, etc.) und zum anderen verwendet Google (laut dem Comic) massive automatische Tests um Fehler in der Engine zu finden und zu beheben. Die Performance ist auch im Bereich JavaScript durch die neue V8-Engine von Google sehr flott, hier können andere Hersteller wirklich noch was lernen.

Optisch ist er der Browser zunächst einmal sehr simpel und damit gewöhnungsbedürftig, wobei ja auch andere Browser (z.B. Internet Explorer) diesem Trend folgen. Ich finde ich einen Firefox (mit dem altem Stil von FF2!) ansprechender, aber ok, das kann man durchgehen lassen.

Softwaretechnisch gibt es ein paar interessante Fakten zu Googles neuem Projekt. Denn die Architektur des Browsers sowie auch der Komponenten (wie z.B. die V8-Engine) ist laut Google für die Community offen einsehbar (Nachtrag: oder doch nicht?) und alle Entwickler sind geradezu herzlich eingeladen das System weiter zu entwickeln oder Teile davon in andere Systeme zu übernehmen. Eine Mozilla Foundation z.B. könnte also hingehen und die eigene Javascript-Engine durch die V8 austauschen und Google würde noch applaudieren.

Auf den ersten Blick scheint dies unlogisch, aber natürlich profitiert eine Firma die ihr Geld im Internet verdient davon, wenn die Browser sich weiter entwickeln, denn im Grunde ist es ihr egal, mit welchem Browser der Nutzer unterwegs ist, solange der Browser fähig ist die Google-Dienste vernünftig zu verwenden. Und genau dies scheint das Ziel zu sein, welches Google auch mehr oder weniger offen kommuniziert. Es geht Google darum die Entwicklung der Browser weiter voranzutreiben um damit eine moderne Plattform insbesondere für sogenannte RIAs (Rich Internet Applications) zu schaffen. Darunter fallen neben vielen anderen Seiten eben auch viele Google-Dienste und je besser diese unterstützt sind, desto erfolgreicher kann Google seine eigenen Dienste anbieten. Aus diesem Grund machen auch die Anstrengungen im Bereich Sicherheit und Performance viel Sinn, weil dies bei komplexeren Web-Anwendungen einen viel höheren Stellenwert hat.

Klingt nach einer ganz guten Sache, oder? Hmm .. aber irgendwo muss doch der Haken sein, schließlich reden wir hier von Google, dem globalen Informationskraken überhaupt. Und natürlich wird man auch hier fündig. So wird jede Kopie von Google Chrome mit einer eindeutigen ID gekennzeichnet, und somit quasi eine Kopfnummer für jeden User/Rechner vergeben. Diese wird unter anderem beim Updateprozess (einmal täglich) oder auch bei jeder anderen Art von Datenübertragung an Google übermittelt. Dies kann man zwar prinzipiell deaktivieren, aber das Verfahren ist so aufwändig, dass ein „normaler“ Nutzer dies niemals bewerkstelligen kann.

Die anderen, standardmässig aktivierten an Google übertragenen Daten lassen sich per Menü deaktivieren, sofern man die Anleitung genau liest. Dazu zählen insbesondere alle in die Adressleiste eingegebene URLs oder Suchanfragen sowie aufgerufene nicht vorhandene URLs. Google informiert auch darüber, was mit den Daten geschehen wird: „Die während der Verwendung von Google Chrome an Google gesendeten Informationen dienen dem Betrieb und der Verbesserung von Google Chrome sowie anderer Dienste von Google und werden zu diesem Zweck verarbeitet.“

Dh. wer mit Google Chrome im Internet stöbert, lässt sich im Zweifel nicht nur komplett aushorchen, er sorgt auch noch dafür, dass Google seine eigenen Dienste immer weiter optimieren kann. Aus diesem Grund hat sogar das Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eine Warnung herausgegeben und empfiehlt Google Chrome (u.a) aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zu verwenden.

Mir persönlich ist Google schon seit einiger Zeit etwas suspekt. Zwar nutze ich einige Google-Dienste fast jeden Tag (z.B. Google Search, Google Maps), aber ich sehe auch die Gefahren einer immer größeren Datenansammlung bei Google. Wer Google Trends kennt, kann sich eine Vorstellung davon machen, welche Art von Daten man erhalten kann, wenn man die der nachgefragten Informationen weltweit summiert. Für einen Konzern wie Google wird es damit möglich am Finanzmarkt mit einer bisher nie dagewesenen Informationsfülle nahezu risikolos zu agieren. Eine Studie der TU Graz kommt demzufolge auch zu diesem Ergebnis: „Jeder, der die Situation betrachtet, muss sich dessen bewusst sein, dass Google in noch nie da gewesener Art Macht angehäuft hat und damit unsere Gesellschaft in Gefahr bringt“.

Fazit: Ich finde es gut und legitim, dass Google versucht die Browser technologisch weiterzuentwickeln, da hiervon im Grunde alle Netzbewohner etwas haben werden. Allerdings kann ich der Datensammelwut nur mit dem üblichen Google-Mißtrauen begegnen. Vielleicht ist es nur ein Anflug von Paranoia, aber wo soviel Wissen (und damit Macht) konzentriert wird, ist die Gefahr, dass dies irgendwann aus rein wirtschaftlichen Interessen ausgenutzt wird einfach sehr hoch und solange keine geeigneten Mittel zur Verfügung stehen dies zu kontrollieren, bin ich lieber mit einem anderen Browser unterwegs.

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